Mein Skitest 2017/18

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Ich freue mich jedes Jahr auf die Skitests. Diese Saison hatte ich die unterschiedlichsten Bedingungen. Von harten Pisten mit Kunstschnee bis zu Pulver ohne Ende - und das war perfekt. Ich konnte somit die kleinen Details der Ski herausfinden - und das soll nicht heißen schlecht oder gut. Mit geht es viel mehr um den Einsatzbereich. Ist dieser wirklich so wie ihn sich der Skifahrer/Kunde vorstellt. Wo und in welcher Situation ist der gefahrenen Ski am besten/ Wo sind dessen Stärken? Es war wie immer super interessant und die Unterschiede der Produkte (und das immer in der gleichen Zielgruppe) waren wie immer vorhanden. Das Karussell hart sich erneut gedreht und schon längst vergessene Hersteller sind wieder vorne mit dabei.

Was soll optimiert werden?

Diese Fragen stelle ich mir jedes Mal wenn ich einen neuen Ski teste. Entscheidend ist für mich herauszufinden, für welchen Skifahrer welcher Ski optimal sein könnte. Dazu muss ich natürlich wissen was der Skifahrer von seinem Ski erwartet. Durch meine Tätigkeit als DSV Skilehrer kenne ich die unterschiedlichen Zielgruppen der Skifahrer - und das hilft mir beim Testen und Auswerten sehr. Getestet werden immer Ski in der gleichen Zielgruppe, somit ist ein perfekter Vergleich möglich - und bitte glauben Sie mir- die Unterschiede der Ski sind gewaltig - kein Ski ist schlecht- nur der Anwendungsbereich ist verschieden.
Wiederholt war ich bei den wichtigsten Skitests (DSV Aktiv und Skimagazin) dabei und konnte meine Erfahrung einbringen.

Was gibt es Neues?
Die Industrie versucht nach wie vor das Gewicht der Ski zu reduzieren. Durch die verringerte Schwungmasse sollen die Ski leichtgängiger und spritziger werden.
Außerdem wird versucht den Anwendungsbereich der Ski zu vergrößern.

Macht das Neue immer Sinn?
Nicht immer. Leichtere Ski verlieren unter Umständen ihre Strassenlage und das direkte Fahrverhalten, dies kann sehr aktive Skifahrer stören. Das geringere Gewicht hilft jedoch Allroundern mit weniger Kraftaufwand den ganzen Tag über zu fahren.
Die Vergößerung der Anwendungsbereiche macht immer Sinn - insofern das möglich ist. Man kann aus einem Mountainbike keinen Rennski machen.

Maßgebend für das Fahrverhalten ist immer das Zusammenspiel von Biegelinie, Taillierung, Skibreite und Torsionssteifheit eines Skis - und natürlich dem Rocker, also dem Kontaktpunkt der Kante im Schnee.

Biegelinie:
Wie sich ein Ski in der Längsachse bei Belastung verbiegt
Taillierung:
Die Breite im Schaufelbereich - der Skimitte - dem Skiende
Torsionssteifheit:
Die Festigkeit beim Verdrehen des Skis in der Längsachse
Rocker
Eine Aufbiegung des Skis am Skiende oder/und Skispitze um den Kontaktpunkt der Kante im Schnee zu verändern.  

Neuheiten

Ja- man sollte es kaum glauben - manche Firmen haben es kapiert und lassen den Rocker bei ganz sportlichen Pistenski wieder weg. Warum? Ganz klar, der Ski bekommt beim Umkanten früger Zug über die Schaufel und das macht den Ski lebendiger. Jedoch sind auch in der kommenden Saison fast alle Ski gerockert, manche Modelle wurden jedoch wiederholt neu abgestimmt. Der Rocker bewirkt eine Veränderung der Kontaktlänge der Kante im Schnee und diese ist nicht genormt. Das bedeutet, dass es Rockertypen gibt welche die Kontaktlänge nur um 1 cm versetzen bis zu jenen wo die Kontaktlänge um mehr als 20 cm verschoben ist. Durch die Aufbiegung des Skis an der Skispitze ( Tip Rocker) bzw.der Aufbiegung an Spitze und Skiende ( Tip und Tailrocker) verringert sich bei einem flachen Ski die Auflage und die Dreheigenschaften werden verbessert. Durch die Taillierung wird, je stärker der Ski aufgekantet wird, die Kantenauflage wieder größer, das bedeutet dass sich über den Kantwinkel während des Schwungverlaufes die Kontaklänge der Kante im Schnee verändert. Je höher der Kantwinkel desto weiter vorn ist der Kontaktpunkt. Für meine Fahrweise bedeutet dies, dass ich bei einem flachen Ski die leichten Dreheigenschaften nutzen kann und über meinen Kantwinkel den Zug des Skis über die Schaufel bestimme. Im Gelände wird durch den Rocker mehr Auftrieb erzeugt. Um für die verschiedensten Einsatzbereiche einen idealen Rocker zu bieten gibt viele Varianten, vom "Fullrocker" (der Ski ist hinten und vorne gerockert) bis zum Tip Rocker (Rocker im Schaufelbereich) von einer sehr kleinen Aufbiegung bis zur Banane. 

In der kommenden Saison sind manche Ski noch besser auf die Biegelinie und die Zielgruppe abgestimmt und es ist erstaunlich wie drehleicht wirklich sportliche Ski durch den Rocker werden können. Da dies den Anwendungsbereich der Ski vergrößert macht das auch für viele Modelle Sinn.
Aktuell muss jedoch nicht jeder Ski gerockert sein - und ist es nicht!  Nicht gerockerte Ski mit eine perfekten Abstimmug können mit einem perfekten gerockerten Ski jederzeit mithalten, d.h. entscheidend ist die Abstimmung und die Zielgruppe des Fahrers.
Ich denke es ist unnötig jeden Ski - nur weil es trendy ist - zu rockern. Es kommt wirklich auf den Einsatzbereich und die Zielgruppe an. Da ein Rocker dem Ski Spritzigkeit nimmt macht für mich eine Rockerbauweise im rennsportlichen Ski nicht zwingend Sinn.

Besonders gefallen haben mir verschiedene Allmountainski. Sportlich auf der Piste - super easy und variabel zu fahren - und dann noch viel Auftrieb bei weichem Schnee. Was will man mehr? Die Tests findet ihr wie immer in unserem Onlineshop.

Welche Vorteile bietet ein gerockerter Ski?

1. Mehr Auftrieb bei weichem Schnee, der Ski schwimmt früher auf
2. Kleinerer Widerstand beim Drehen des Skis - weniger Kraftaufwand nötig
3. Ski verzeiht mehr Fahrfehler - z.B.die Gefahr des Verkanten wird verrringert
4. Einsatzbereich des Skis wird größer

Welche Nachteile kann ein Rocker im Ski haben?
1. Geringere Laufruhe beim flachem Ski
2. Verlust des spritzigen Fahrverhaltens -Ski wird etwas träger
3. Volle Kantenlänge erst mit hohem Kantwinkel

Mein Ergebnis zum gerockerten Ski
Wie schon in den letzten Saisons angedeutet sind durch neue Erkenntisse viele Ski nochmals optimiert worden.
Ich bin begeistert von der Entwicklung und jetzt haben mich fast alle gerockerten Ski voll überzeugt.
Ist der Rocker auf den ganzen Ski (und umgekehrt!) sowie auf die Zielgruppe perfekt abgestimmt gibt es nur positive Eindrücke. Die Ski lassen sich leichter andriften und dann sehr harmonisch aufkanten. Die Gefahr des Verkantens nimmt ab. Deutlich wurde all dies bei Vergleichsfahrten mit einem identischen Modell mit und ohne Rocker.
Bei weichen Schneearten bietet der Rocker zudem mehr Auftrieb, und das kann nie Schaden.

Skikategorien

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Welche Eigenschaften soll ein Ski besitzen?

Allroundski
Bei diesen Modellen sollte eine gute Laufruhe, leichtes Drehen, ein guter Kantengriff sowie das einfache Schwingen in jedem Gelände im Vordergrund stehen. Der Ski sollte natürlich auch Fehler verzeihen! Die Unterschiede und Qualitäten der einzelnen Ski sind riesig und nicht jedes Angebot ist ein wirklich gutes Angebot!

Lady Ski
Ein Damenski ist nicht nur wegen seiner Optik ein Damenski. Diese Ski sind speziell auf die Bedürfnisse der Damen und auf deren Anatomie abgestimmt.
Die Idee: Die Biegelinie des Skis wird weicher gestaltet um den Ski leichter über die ganze Taillierung fahren zu können.Und das macht Sinn!
Die sportlichen Lady-Kracher haben mich wieder einmal voll überzeugt – und bei manchen Modellen musste ich feststellen, dass diese Ski nicht nur für Ladys der absolute Hit sind!
Zu beachten: Es gibt auch in diesem Bereich Ski für Allrounder, Freerider und Spitzentechniker!

Sportcarver
Was erwartet ein guter Skifahrer? Einen guten Kantengriff, eine hohe Laufruhe und eine direkte Kraftübertragung. Einen Ski der Spaß macht, das heißt einen Ski für den ganzen Skitag auf der präparierten Piste. Diese Ski werden heute von fast allen Firmen angeboten – meist mit dem gleichen Aufbau wie die extremeren SL und RS Ski – nur eben mit anderen Taillierungen und Biegelinien.
Für sportliche Skifahrer wurden diese Ski weiter optimiert. Durch teilweise neue Bindungssysteme wurde die Biegelinie des Skis verändert sowie die Kraftübertragung weiter verbessert. Viele der neuen Carver sind von Ihrer Taillierung perfekt auf mittlere Radien abgesimmt. Ich kann nur empfehlen diese Ski einmal auszuprobieren. Diese Kategorie ist für mich auf Grund des großen Anwendungsbereiches die 1.Wahl.

Raceski
Rennsportliche Skifahrer die sich einen Racer anschaffen (z.B. einen reinen SL oder RS-Ski) sollten akzeptieren, dass diese Ski meist nur in ihrem Einsatzbereich perfekt sind – und je sportlicher und härter diese Bretter sind, desto kleiner wird dieser. Bauweisen mit - und ohne Rocker machen die Unterschiede der Ski groß. Im Gelände sind diese Ski aufgrund ihrer Taillierung sehr oft benachteiligt. Wie auch beim Biken kommt man auf Dauer als sehr guter Skifahrer nicht um den Racer (das Rennrad) und Freerider (das Mountainbike) als 2.Ski herum. 

Allmountain Ski -die Alleskönner
Diese Ski sind in der Skimitte von 74mm-84mm breit und besitzen einen sehr großen Anwendungsbereich. Dieser liegt bei ca 70% Piste und ca 30% Gelände. Der Einsatzbereich kann sich durch den Aufbau des Skis verändern. Durch die unterschiedlichen Konstruktionen gibt es Ski vom einfach fahrbaren Allrounder bis zum wirklich sportlichen Racer. Die sehr sportlichen Ski in dieser Kategorie benötigen allerdings eine gute Technik und eine kraftvolle Fahrweise. Diese Ski sprechen mehr als 70% der Skifahrer an. Durch die unterschiedlichen Schaufelkonstruktionen gibt es große Unterschiede im Einsatzbereich. Lange, gerockerte Schaufel = mehr Auftrieb im Gelände und eventuell Schwächen auf der Piste. Kurze, gerockerte Schaufel = bessere Pisteneigenschaften.

Freerideski
Diese meist deutlich breiteren Ski fahren auf der Piste nicht immer so gut wie im Gelände und haben ihre Vorteile vor allem bei weicheren Schneeverhältnissen. Es gibt sehr sportliche Freerider welche nur mit Technik und richtig Tempo funktionieren, genauso gibt es Modelle mit weichen Biegelinien fürs Cruisen.Wer jedoch vorwiegend auf der Piste fährt ist mit einer maximalen Skibreite von 85mm gut bedient. Es gilt zu beachten, dass es hier ebenfalls einfache Ski mit weniger Leistung, wie eben auch High-End Geräte mit Race-Eigensschaften gibt.Werden die Ski in der Mitte über 95mm breit (manche Hersteller haben über 120mm! im Angebot) ist es oft nicht mehr ganz einfach den Ski auf die Kante zu bekommen und der Einsatzbereich des Skis wird deutlich kleiner, das heißt dieser Freerider ist dann nur noch bei richtig viel Neuschnee optimal.

Slope Style Ski + Twins
Diese Spezialisten unterscheiden sich in ihrem Einsatzbereich sehr stark. Hier habe ich Ski gefahren welche auch auf der Piste richtig Spaß gemacht haben, genauso gibt esTwinswelche wirklich nur für den Park gebaut sind. Überlegen Sie sich vor dem Kauf wo der Ski seine Stärken haben soll. Für den Park werden die Ski wieder schmäler. 

Fazit

Die Skikategorien Sportcarver und Allmountainski sind durch den großen Anwendungsbereich für die meisten Skifahrer die erste Wahl und sind die Verkaufsschlager wie früher die Rennski.
Im Allgemeinen ist zu beachten: Je breiter die Ski in der Mitte sind desto weiter ist der Weg von einer Kante zur anderen. Das Timing beim Fahren verändert sich und daran muss sich der Fahrer erst gewöhnen - und dies auch mögen. Entscheidend für die Geländeeigenschaften ist nicht alleine die Breite des Skis, sehr wichtig ist die Biegelinie und die Konstruktion der Schaufel sowie des Rockers.Eine weiche Schaufel - oder jetzt der Rocker - lässt den Ski deutlich früher aufschwimmen.
Ich kann nur empfehlen - lassen Sie sich gut beraten oder probieren Sie den Ski gegebenenfalls auch mal aus!
Da es beim Skifahren unterschiedliche Techniken gibt und viele Möglichkeiten Kurven zu fahren, sollte man sich vorher genau überlegen was für Ansprüche man selbst an den Ski stellt.
Entscheidend für das Fahrverhalten ist auch die richtige Bindung, da diese für die Kraftübertragung verantwortlich ist.
Es macht keinen Sinn einen Top Ski mit einer einfachen Bindung zu fahren. 
Vergleichbar ist dies mit dem Sportfahrwerk eines Autos: Auch hier ist der Reifen für die Kraftübertragung entscheidend.
Zum Schluss möchte ich noch auf die richtige Wahl des Skischuhs hinweisen. Dieser sollte unbedingt auf die Fahrweise und das Körpergewicht abgestimmt sein - sonst kommt der nötige Druck (Belastung) nicht auf den Ski.

Längenempfehlungen

In der Kürze liegt die Würze - das denken immer noch viele Skifahrer. Tatsächlich - die kurzen Bretter mit den breiten Schaufeln und der schlanken Taillie drehen für Fahrer welche ihren Ski konsequent auf der Kante fahren können wie von selbst. Die Ski pflügen wie mit dem Messer geschnitten durch den Schnee - doch dies kostet Kraft und Otto-Normal-Skifahrer sind mit Ihren Kräften schneller am Ende. Hinzu kommt bei den kurzen Skiern auch das unangenehme und auch gefährliche "Flattern" und "Schwimmen" der Ski bei Schussfahren auf einem flachem Ski. Genau da bleibt dann die Sciherheit auf der Strecke. Ein Ski sollte über den ganzen Skitag einen breiten Anwendungsbereich bieten, eben ein echter Allrounder sein und das ist ein kurzer Ski nicht wirklich.
Für Könner gilt: Länge läuft! Und auch lange Ski können perfekt auf großen Radien auf der Kante gefahren werden. Längere Ski ermöglichen durch die größere Auflage im Schnee ein leichteres Ausgleichen von Unebenheiten ( Buckel) und somit ist es leichter den Körperschwerpunkt mittig über den Ski zu halten.
Die empfohlene Skilänge hängt von den Vorlieben des Skifahrers ab. Ausschlaggebend ist der Fahrstil, die Art der Piste und natürlich die Geschwindigkeit. Auch das Körpergewicht und die Körpergröße spielen hier eine Rolle. Für größere und schwere Skifahrer ist der längere Ski zu empfehlen.

Langsame Skifahrer:
Kinnhöhe bis stark unter Körpergröße bei ängstlichen Skifahrern.

Schnelle, nicht so gute Fahrer:
Hier den Ski nicht zu kurz kaufen - je kürzer desto mehr Druck braucht der Ski auf der Kante, um laufruhig zu bleiben. Außerdem belasten zu kurze Ski die Muskulatur und Gelenke stärker - vor allem beim Fahren mit Rücklage.
Körpergröße = Skilänge

Sportliche Fahrer:
Jede Länge möglich, jedoch je kürzer desto mehr Kraftaufwand wird benötigt.

Kinderski:
Bei Kindern welche anfangen muss die Skilänge cirka Achselhöhe betragen, bei Fortgeschrittenen Schulterhöhe. Es macht keinen Sinn Ski auf Vorrat zu kaufen!
Ich kenne wirklich jeden Ski und berate Sie individuell!

Rufen Sie mich an! 
Ihr Bobby Krapp mit Lucky
DSV Skilehrer + Geschäftsführer Sport-Börse GmbH

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